Die Geschichte des Vereins

 

Kurz nach dem ersten Weltkrieg, im Jahr 1920, beschloss eine Gruppe entschlossener und musikbegeisterter Männer, einen Musikverein zu gründen, um so dem kulturellen Leben in Tünsdorf neuen Auftrieb zu geben.
Es war keinesfalls so, dass bis dahin im Dorf nicht musiziert worden wäre, es fehlte vielmehr nur an einem Zusammenschluss, um dies in der Gemeinschaft zu tun. So kam es zur Gründung des Musikvereins, der zunächst unter dem Namen "Apollo" an die Öffentlichkeit trat. Die Vereinsgründung wurde initiiert von Herrn Pelltre, einem zu dieser Zeit in Tünsdorf stationierten Zollbeamten.
Die Aufgabe war damals nicht leicht, gewisse Voraussetzungen mussten dafür gegeben sein: Unternehmungsgeist, große Begeisterung für die Musik und sehr viel Optimismus.
Diese Eigenschaften hatten die Vereinsmitglieder:
Heinrich Becker, Franz Bohr, Matthias Bohr, Nikolaus Bohrhofen, Heinrich Hahn, Hubert Leinen, Jakob Lessel, Johann Leuk, Nikolaus Ley, Nikolaus Ollinger, Michel Pesi, Heinrich Repplinger, Michel Repplinger, Peter Repplinger, Nikolaus Schill II., Peter Sünnen
Ihnen gilt heute noch unser Dank, Anerkennung und Bewunderung.
Zunächst wurden 17 Instrumente gekauft, was nur unter großen persönlichen Opfern möglich war. Aber schon zu Weihnachten 1920, also nach sehr kurzer Zeit, konnte der Musikverein erstmals öffentlich auftreten. Ab diesem Zeitpunkt nahm der Verein an allen kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten teil, um diese mit seiner Musik zu verschönen. Durch Besuche bei den Nachbarvereinen konnte man schnell viele  Sympathien erwerben und zahlreiche Freunde gewinnen. Ein Musikfest im Jahr 1930 zog daher schon viele Besucher nach Tünsdorf. Zu dieser Zeit lag die musikalische Leitung in den Händen von Dirigent Rupp.

 

Am 6. November 1936 schlossen sich dann das Streichorchester "Mignon" und der Musikverein "Apollo" zu einem Orchester zusammen, um fortan gemeinsam zu musizieren. Nach diesem Zusammenschluss erhielt der Verein einen neuen Namen: "Musikvereinigung Tünsdorf". Dirigent war damals Michel Maron.

 

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 kam praktisch das gesamte Vereinsleben zum Stillstand. Eine große Zahl der aktiven Musiker wurde zum Kriegsdienst eingezogen und musste an die Front, alle anderen Einwohner von Tünsdorf und auch der Nachbarorte wurden evakuiert. Während der Evakuierungszeit gingen alle Instrumente verloren; ein herber Rückschlag für den jungen Verein.
Im Jahr 1941, also ein Jahr nach der ersten Evakuierung, konnten bereits 26 Instrumente wieder neu angeschafft werden. Das Vereinsleben ging, soweit der Krieg und seine Auswirkungen dies zuließen weiter, bis dann die zweite Evakuierung im Jahr 1944/45 dem wiederum ein Ende setzte. In den Kriegswirren dieser Zeit gingen die erst 1941 beschafften Musikinstrumente abermals verloren. Von diesem schweren Schlag konnte der Verein sich nicht so schnell erholen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bereitete es große Schwierigkeiten, den Verein wieder mit Leben zu erfüllen. Viele junge Männer/Musiker waren gefallen, andere in Gefangenschaft. Es fehlte neben den Musikern an den Instrumenten, aber auch an der richtigen Stimmung Musik zu machen; der Überwindung der ersten Not und dem Wiederaufbau galt zunächst die erste Sorge. Erst 1952 begann der Verein sich wieder zu erholen. In dieser Zeit war es Theo Lepage, der den Musikverein in vorbildlicher Weise wieder aufbaute. Ab jetzt lautete der Name des Verein wie heute noch "Musikverein 1920 Tünsdorf". Der Mitgliederbestand erhöhte sich stetig und der Verein wurde so auf eine breitere Basis gestellt. Kurz danach, ab dem Jahr 1954 kamen auch die ersten Büschdorfer Musiker hinzu, die z.T. heute noch aktiv im Verein tätig sind. Dies gehört noch bis heute zur Tradition des Musikvereins. Als Dirigent stellte sich der Organist Matthias Greif uneigennützig zur Verfügung. Er war es auch, der dem Verein beim Neukauf der Instrumente hilfreich unter die Arme griff.
Der Musikverein 1920 Tünsdorf bestimmte in der Folgezeit wieder  maßgeblich das kulturelle Lebern unseres Heimatdorfes mit.

 

Ende der fünfziger Jahre wurde Nikolaus Biringer zum Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Leitung feierte der Musikverein sein 40-jähriges Vereinsjubiläum, was sowohl musikalisch, als auch organisatorisch ein voller Erfolg wurde. Während dieser Zeit, genau von 1958 bis 1966 war der damalige Kreisdirigent Frenny Ott aus Ballern Dirigent des Orchesters. Zuvor, in den Jahren 1956 bis 1958, dirigierte Franz Lackas aus Orscholz.

 

Ab dem Jahr 1966 übernahm Martin Weber, aus den eigenen Reihen des Musikvereins Tünsdorf, die musikalische Leitung des Orchesters. Seinem Fleiß, seiner Tatkraft und seinem Können als Dirigent ist ein bis dahin nie dagewesener Aufschwung zu verdanken, mit dem der Grundstein für die spätere Entwicklung und die musikalischen Erfolge des Musikvereins gelegt wurde.

 

Nachdem Nikolaus Biringer nicht mehr für den Vorsitz kandidierte, wählte die Generalversammlung im Februar 1968 Anton Schulz zum ersten Vorsitzenden; gleichzeitig wurde Nikolaus Biringer zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit Anton Schulz begann eine Ära in der Vereinsführung, in deren Verlauf der Verein auf eine solide wirtschaftliche und organisatorische Basis gestellt wurde. In den 23 Jahren erfolgreicher Arbeit hat sich Toni Schulz in ganz besonderer Weise um den Verein verdient gemacht, sein Name wird für immer mit dem Musikverein verbunden bleiben.

Im Juli 1969 feierte der Musikverein zum ersten mal sein Sommerfest im Klosterbungert, was bis heute, wenn auch an anderer Stelle, beibehalten wurde. Ganz groß gefeiert wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1970. Drei Tage lang ging es hoch her im Festzelt, das im Brühl, gegenüber dem Sportplatz aufgestellt war. Protektor war der damalige Wirtschaftsminister des Saarlandes Helmut Bulle; Patenverein der Musikverein 1883 Orscholz, mit dem wir auch noch heute ein besonderes, freundschaftliches Verhältnis pflegen. Nach dem Fest (1971) konnten für die 30 Aktiven neue Uniformen beschafft werden. Das Fest war somit auch ein wirtschaftlicher Erfolg.

Ebenfalls im Jahr 1971 konnte ein großer musikalischer Erfolg verbucht werden. Beim Wertungsspielen  in Beckingen erreichte das Orchester in der Mittelstufe 116 von 120 möglichen Punkten, mit dem Prädikat "hervorragend". Im März 1972 musizierten die Tünsdorfer Musiker in der Stadthalle Merzig anlässlich eines Wohltätigkeitskonzertes.

Am 15 Dezember 1973 veranstaltete der Musikverein sein erstes Konzert in der Mehrzweckhalle in Tünsdorf. Mitwirkende Gäste waren die Musikvereine aus Orscholz und Saarwellingen; der Reinerlös ging als Spende an den Kindergarten Tünsdorf.

Im Jahr 1974 traten dem Verein über 20 junge Mädchen und Jungen bei. Schon nach relativ kurzer Ausbildung durch den Dirigenten Martin Weber konnten sie in das Orchester übernommen werden, wo sie sich direkt gut einfügten und eine Verstärkung für das Orchester bildeten. Viele von ihnen sind auch heute noch aktiv dabei.
Am 5. November 1974 fand erstmals der Familienabend des Musikvereins in der Mehrweckhalle statt. Bei den darauf folgenden Veranstaltungen wirkte die Tanzgruppe der Mädchen mit, die sich den Namen "Cosmos" gaben. Sie wurde in den weiteren Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Unterhaltungsabende .

Bei einem weitern Konzert im Dezember 1975 hinterließ das Orchester einen hervorragenden Gesamteindruck. Als Gäste wirkten bei diesem Konzert der Musikverein Orscholz und der MV Besseringen mit.

Im Jahr 1979 konnte der Verein wiederum eine Reihe von Jugendlichen für die Blasmusik gewinnen. insgesamt waren es 12 Mädchen und Jungen, die sich unter der Leitung von Siegfried Neisius darauf vorbereiteten, das Orchester zu verstärken. Dem Orchester des Musikvereins Tünsdorf gehörten bis zur Jahresmitte 1980, seinem 60-jährigen Bestehen, 37 Aktive an, darunter mittlerweile auch 6 Mädchen.

Für die Orchesterproben stand dem Musikverein 1920 Tünsdorf über einen längeren Zeitraum ein Saal in der ehemaligen Schule zur Verfügung. Nach der Fertigstellung der Mehrzweckhalle glaubte man zunächst, in dem größeren Raum eine bessere Lösung zu sehen. Dies stellte sich auf Dauer jedoch als Irrtum heraus, die Größe des Raumes, vor allem auch die unzureichende Heizung in den Wintermonaten, waren für die Probenarbeit nicht geeignet.
Eine Rückkehr in den Schulsaal war nicht mehr möglich, da dort inzwischen der Kindergarten eingerichtet worden war. So wurde dankbar das Angebot von Pastor Herbert Mußler angenommen, den Gruppenraum des ehemaligen Kindergartens bei der Kirche, nach Umbau zu einem Pfarrheim, als Proberaum zu benutzen. Die erforderlichen Aufräum- und Umbauarbeiten im Innenbereich wurden weitgehend durch aktive Musiker in freiwilliger und unendgeldlicher Arbeit durchgeführt. Trotz dieser Arbeit erwies sich der Raum für das Orchester als zu klein. Im Jahr 1990 konnte endlich ein Umbau des Pfarrheimes und damit eine Vergrößerung des Probenraumes in Angriff genommen werden. Unter der Bauleitung von Architekt Berthold Greweldinger konnte der ehemalige Gruppenraum um den Küchenraum erweitert werden, was die Platzsituation schon erheblich verbesserte. Auch hier packten die Musiker wieder tatkräftig mit an. Heute nach nur fünf Jahren platzt der Probenraum jedoch schon wieder aus allen Nähten, eine andere Lösung ist kurzfristig aber nicht in Sicht.

Im Dezember des Jahres 1985 begannen die gemeinsamen Konzerte mit dem Männergesangverein "Gambrinus" Tünsdorf und dem Kath. Kirchenchor "Cäcilia" Tünsdorf in der Halle. Diese Gemeinschaftskonzerte, bei denen gelegentlich auch andere Gastvereine mitwirkten, kamen bei er Bevölkerung sehr gut an und waren stets gut besucht.

Eine einschneidende Veränderung ergab sich Anfang 1988 durch einen Dirigentenwechsel beim Musikverein Tünsdorf, als Martin Weber nach über 22-jähriger vorbildlicher ehrenamtlicher Tätigkeit im Musikverein, den Dirigentenstab niederlegte. Durch seine großartige, hervorragende Arbeit hat er den Grundstein für das gelegt, was heute das Orchester des Musikverein Tünsdorf ausmacht. Aufgrund seiner großen Verdienste, beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig, Martin Weber zum Ehrendirigenten des Musikverein 1920 Tünsdorf zu berufen. Am besten wird seine Verbundenheit zum Musikverein dadurch dokumentiert, dass er heute  wieder aktiv in den Reihen des Orchesters zu finden ist.

Glücklicherweise blieb die Dirigentenstelle nicht lange vakant, Ralf Lackas aus Orscholz, der gerade seine Dirigentenausbildung beendet hatte, konnte als musikalischer Leiter für das Orchester gewonnen werden. Ralf Lackas übte das Dirigentenamt beim Musikverein Tünsdorf bis zum Frühjahr 1993, also rund fünf Jahre lang sehr erfolgreich aus. Sein Verdienst war es, dass der Verein den Wechsel unbeschadet vollziehen und sich musikalisch weiterentwickeln konnte. Seine größten Erfolge errang er mit den Musikern bei den Wertungsspielen des BSM im Kreis Merzig-Wadern, sowie mit den Konzerten in der Halle, die unter seiner Leitung erstmals vom Musikverein allein gestaltet wurden.

Im Frühjahr 1991 kandidierte Anton Schulz auf eigenen Wunsch nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden, das er 23 Jahre lang inne hatte. Damit ging für den Musikverein 1920 Tünsdorf ein Stück Vereinsgeschichte zu Ende, das von Toni Schulz wesentlich geprägt wurde. In Tünsdorf und darüber hinaus wird sein Name wohl auch für die Zukunft mit dem des Musikverein Tünsdorf verbunden bleiben. Nach einstimmigem Beschluss der Mitgliederversammlung , wurde ihm für seine Verdienste, im Rahmen einer Feierstunde, der Titel des Ehrenvorsitzenden verliehen. Auch heute noch steht er dem Verein mit Rat und Tat zur Seite.
Nachfolger von Anton Schulz wurde Winfried Steffes aus Büschdorf, der das Amt des 1. Vorsitzenden bis heute ausübt.

Nach dem Konzert 1993 übernahm Stefan Weber das Dirigentenamt, nachdem Ralf Lackas auf eigenen Wunsch ausgeschieden war. Unter seiner Stabführung gelangte das Orchester zu seiner bisherigen Höchstform, was insbesondere in den beiden Konzerten 1994 und 1995 eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Er hat es verstanden die Musiker zu motivieren und auf dem von seinen Vorgängern gelegten Fundament aufbauend, das Orchester musikalisch weiter zu entwickeln. Es ist zu einem allseits geachteten Repräsentant des Ortsteils Tünsdorf geworden.

Im Jubiläumsjahr zählt der Musikverein 1920 Tünsdorf e.V. fast 200 Mitglieder. Davon sind z. Zt. 50 Aktive im Orchester, darunter immerhin 17 Musikerinnen; 16 Aktive kommen aus dem Nachbarort Büschdorf: Damit wird die gute freundschaftliche Beziehung der beiden Dörfer dokumentiert. Darüber hinaus befinden sich zur Zeit19 Jugendliche beim Musikverein in Ausbildung, so dass auch für die Zukunft der Bestand des Musikverein Tünsdorf als gesichert angesehen werden kann.

Musikverein 1920 Tünsdorf e.V.

 

Fortsetzung nach 1995

 

 

 

Im Jahr 1997 wurde mit einem finanziellen Kraftakt eine neue Uniform für das Orchester angeschafft, da die alte Uniform in die Jahre gekommen war. Der Musikverein trägt nun eine schwarze Hose mit grüner Uniformjacke. Darunter eine elegante Weste. Die Herren tragen rote Krawatten, die Damen ein rotes Dreieckstuch.

 

Anlässlich der Generalversammlung 2000 wurden folgende Mitglieder aufgrund ihrer besonderen Verdienste um den Musikverein zu Ehrenmitgliedern ernannt: Edmund Borens aus Tünsdorf, Martin Ollinger aus Büschdorf  und Albert Eisenhuth aus Tünsdorf.

 

Im Jahr 2001 gab Winfried Steffes sein Amt als 1. Vorsitzender auf eigenen Wunsch auf. Er schlug den langjährigen Schatzmeister des Vereins, Andreas Hoffmann aus Büschdorf, als seinen Nachfolger vor, dieser wurde von der Versammlung gewählt.

 

Die Versammlung ernannte außerdem Helmut Ernst aus Büschdorf aufgrund seiner besonderen Verdienste zum Ehrenmitglied. Ein Jahr später wurde Siegfried Neisius aus Tünsdorf die gleiche Ehre zuteil.

 

Im Oktober 2002 legte Stefan Weber sein Amt als Dirigent nieder. Er konnte das Dirigentenamt aufgrund seiner neuen beruflichen Situation aus zeitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit als Dirigent war dies für den Verein natürlich ein herber Verlust. Stefan Weber hat das Orchester geprägt, es trägt seine Handschrift.

 

Er hatte die Möglichkeit sein Hobby zum Beruf zu machen und übt seit Mitte des Jahres 2002 das Amt des Dirigenten des Musikcorps des Bundesgrenzschutzes in München aus. Der Musikverein 1920 Tünsdorf ist stolz darauf, dass ein ehemaliger Aktiver seines Vereins ein solches Profiorchester leiten darf.

 

Nachfolger von Stefan Weber wurde der aus Karlsruhe stammende Martin Ade, der jetzt in Wahlen wohnt. Einem glücklichen Zustand war es zu verdanken, dass die Dirigentenstelle mit ihm sofort wieder neu besetzt werden konnte. Martin Ade hat Trompete und Orchestermusik studiert und lehrt an der Musikschule in Püttlingen.  Mit dem Frühlingskonzert im Jahr 2003 hatte Martin Ade einen großartigen Einstand.

 

 

 

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